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(K)Eine Heldengeschichte

16 Jul

Es trug sich zu, dass ein Elbendorf, noch vor Jahrzehnten gut versteckt, nun aber kurz vor seinem Entdecken, in der Nähe einer Müllhalde seinen letzten Zufluchtsort gefunden hatte.
In diesem Dorf lebte eine junge Elbe. Ihr Name war Menstruation.


Sie hatte das Problem, die Menschen, früh erkannt und versuchte seitdem ihr Volk dazu zu bringen in den Osten zu ziehen, in die Heimat der Elben.
Doch zu ihrem Pech hielten ihre Clanführer die Menschen für zu dumm um mehr zu schaffen, als sich gegenseitig umzubringen, geschweige denn das Volk der Elben zu entdecken oder sogar auszulöschen. Und so wurden die Bedenken Menstruations nicht ernst genommen.

Genau in diesem Moment saß sie in der Bibliothek und las ein Buch der Menschen, nicht weil ihr die Geschichten so gut gefielen, sondern um sich Wissen über diese Wesen anzueignen.
Gleichzeitig untermauerte sie ihr Wissen mit Exkursen in die Menschenwelt.
Und bei diesen Besuchen war ihr bewusst geworden, dass die Menschen nach wie vor blutrünstige Bestien waren, aber doch intelligente, blutrünstige Bestien.
Leider wurden ihre Bemühen nicht von ihrem Volk honoriert, nein, sie wurde sogar mit Verachtung gestraft. Und einige der jüngeren Elben ließen keine Gelegenheit aus ihr zu zeigen, was sie von ihr hielten. Aber Menstruation hielt den Spott still aus und zog sich dann vorzugsweise in die Bibliothek zurück. So wie heute.
Nachdenklich sah sie von ihrem Buch auf und sah aus dem Fenster der alten Bücherei, die den Blick auf die Müllhalde freigab, hinter der sie lebten.
Ein trostloser Anblick wie sie fand, und allein schon Grund genug zu verschwinden. Sie sollte auf der Stelle los und gehen.
Kurzentschlossen wollte sie aufstehen, als eine Hand auf ihre Schulter knallte und Menstruation erschrocken zusammenzuckte.
„Hab ich dich endlich. Versteckst du dich jetzt schon hinter den Büchern oder wieso sieht man nichts mehr von dir?“, fragte jemand.
Langsam drehte sich Menstruation um und sah ihre große Schwester Arthritis. Sie war fast doppelt so alt wie sie selbst und war bei allen beliebt, was einer der Gründe war, warum Arthritis nie gut auf Menstruation zu sprechen war. Kein Wunder also, dass sie zu viel Kontakt zu ihrer kleinen Schwester vermied.
„Was willst du denn hier? Sag bloß du kannst endlich lesen.“, fragte Menstruation abweisend.
Die Ältere schüttelte missbilligend den Kopf: „Natürlich nicht. Ich wurde geschickt um dich zu holen, sonst hätten mich keine zehn Orks hierher gebracht. Der Älteste will dich sehen, bestimmt bekommst du endlich die Strafe dafür, dass du dich heimlich zu den Menschen geschlichen hast. Also komm jetzt“, erklärte Arthritis gehässig und drehte sich um, auf dem schnellsten Wege aus der Abteilung der menschlichen Schriften.
Zögernd folgte ihr Menstruation. Konnte es sein, dass ihre große Schwester Recht hatte? Wurde sie nun verstoßen? Weil sie bei den Menschen gewesen war? Nun ja, es gab schlimmeres, rief sie sich ins Gedächtnis, immerhin wollte sie doch sowieso verschwinden.
Gleichgültig machte sie den Gang zur großen Anhöhe, wo sich der Älteste immer aufhielt.
Die Blicke, die ihr auf dem Weg zu geworfen wurden bemerkte sie kaum. Sie hatte sich mit der Zeit daran gewöhnt.
Arthritis hingegen strahlte alle an, an denen sie vorbei kam. Als ihnen ihr Ehemann Alzheimer entgegenkam, hielt sie sogar an um sich ihm an den Hals zu werfen und ihn verliebt an zulächeln: „Ich hab Menstruation!“
„Oh, tut mir Leid. Willst du eine Schmerztablette?“, Alzheimer lächelte sie mitfühlend an und Arthrits’ Lächeln erstarb, während Menstruation selber schadenfroh grinste.
„Nein, ich meine ich habe Menstruation!“, Arthritis versuchte ihren Fehler zu korrigieren.
Der andere Elb schien nun endlich zu verstehen: „Dann bist du nicht schwanger!“
Die Elbe, um die es die ganze Zeit ging, hob altklug die Augenbrauen: „Von dir würd ich auch nur ungern schwanger werden.“
Arthritis verschränkte wütend die Arme vor der Brust: „Die Elbe!“
„Oh“, Alzheimer wurde rot. Dann sah er zu Menstruation, die neben Arthritis stand und wandte sich dann wieder an seine Frau: „Wieso lässt du dich mit ihr in der Öffentlichkeit sehen?“, fragte er.
„Hallo? Ich stehe übrigens direkt neben euch“, meinte Menstruation verstimmt und sah Alzheimer vorwurfsvoll an, der sie aber keines Blickes würdigte.
Ihre ältere Schwester half ihr auch nicht, sondern legte Alzheimer eine Hand beruhigend auf den Arm: „Keine Sorge, ich soll sie nur zu dem Ältesten bringen, er wollte sie sehen.“
„Sie weiß doch wo der Älteste ist, du brauchst sie doch nicht extra hinbringen. Sie ist ja wohl nicht so bescheuert, als dass sie den Weg nicht kennt.“, erklärte Alzheimer eindringlich.
Überrascht sah Arthritis auf: „Du hast Recht! Wie dumm von mir.“, sie sah Menstruation an, „Na los, worauf wartest du noch, du bist doch nicht so bescheuert, als dass du den Weg nicht kennst?“
Ungläubig sah Menstruation ihre Schwester an und drehte sich auf dem Absatz um, den Pfad zur Anhöhe hochzustapfen.
Wütend stand Menstruation nun auf der Anhöhe und sah sich um. Doch sie war allein. Sollte das am Ende doch wieder nur ein gemeiner Trick gewesen sein, um sie wegzulocken und dann ihre Haus auseinander zu nehmen? Stöhnend wollte sie sich umdrehen und zurücklaufen, als sie zurückgehalten wurde: „Mein Kind.“
Menstruation sah zur Seite und erkannte Gehirntumor, der Älteste unter den Ältesten, der schon über 6000 Jahre alt war, so sagte man sich jedenfalls.
Die Elbe verbeugte sich vor ihm und wartete bis er weiter sprach. Er deutete auf einen Platz vor sich hin, der im Grunde nur aus einem Kissen bestand, doch Menstruation setzte sich und stellte sich auf einen langen Vortrag ein, der sicherlich kommen würde.
Gehirntumor seufzte tief auf: „Ich möchte nicht lange darum herum reden, sondern werde sofort dazu kommen, wieso ich dich her gerufen hab lassen.“, die sonore Stimme des Alten war traurig und Menstruation kam nicht umhin, ihn mit gerunzelter Stirn anzusehen.
„Worum geht es?“
„Sicherlich hast du von den Todesfällen und dem Verschwinden einiger unserer Elben gehört.“, meinte er leise.
Die Elbe nickte. Natürlich hatte sie davon gehört. In letzter Zeit waren einige ihre Clanmitglieder verschwunden und nicht mehr lebend wieder gefunden worden. Allerdings war dies für sie genauso unverständlich wie für die anderen.
„Wir haben nun endlich herausgefunden wer hinter diesen schrecklichen Taten steckt.“
Das Mädchen holte überrascht Luft: „Wirklich?“
„Ja“, bestätigte Gehirntumor, „es handelt sich um eine riesige Spinne, die sich jenseits des großen Berges herumtreiben soll.“
Skeptisch sah ihn die Elbe an: „Erstens ist das kein Berg sondern eine Müllhalde, zweitens wer sagt uns, dass das keine große Falle ist? Oh, und drittens…wieso erzählst du das gerade mir?“
Auch darauf wusste Gehirntumor eine Antwort: „Wir haben sichere Quellen, die uns bestätigen, dass es sich um die riesige Spinne Dieter handelt. Und da wir davon überzeugt sind, dass es sich um keine falsche Aussage handelt, wirst du ausziehen und unserem Clan größte Ehre bringen. Du musst die riesige Spinne Dieter ausfindig machen und töten, bevor er noch andere unserer Elben tötet.“
„Dieter?“, Menstruation sah ihren Ältesten abschätzend an. Das konnte er unmöglich ernst meinen!
Doch Gehirntumor nickte: „Ja, er ist hinterlistig und durchtrieben und wird alles tun, um uns auszulöschen.“
„Was für ein bekloppter Name“, stellte Menstruation nüchtern fest.
Der Ältere seufzte ein weiteres Mal auf: „Hast du mir überhaupt zugehört?“
„Jaja, finden, töten, wiederkommen. Blablabla. Kein Problem…“, sagte sie, bevor sie inne hielt. Denn plötzlich wurde ihr eine Sache klar und zwar von Rückkehr war nie die Rede gewesen: „ Und so könnt ihr mich schnell los werden, falls ich versage und getötet werde. So erspart ihr euch Arbeit.“
Bitter nickte sie und stand auf: „Natürlich, dafür bin ich also gut genug. So was nennt man unter den Menschen übrigens Kanonenfutter, herzlichen Dank.“
Sie hatte sich bereits umgedreht und wollte gehen, als sie von Gehirntumor zurückgehalten wurde: „Das ist nicht der einzige Grund, warum wir gerade dich ausgewählt haben.“
Menstruation sah ihn an und grinste freudlos: „Noch ein Grund warum ihr mich loswerden müsst?“
„Nein, das Gebiet hinter dem hohen Berg ist von noch keinem Elben betreten worden, außer dir. Du findest dich dort sicher besser zurecht als andere. Und natürlich wollen wir nicht, dass du stirbst, deswegen werden wir dich mit den nötigen Hilfsmitteln ausstatten.“, mit diesen Worten zog er etwas schlabberiges, dunkelgrünes Etwas aus seinem Gewand, das stark nach Erbrochenen aussah und hielt es feierlich in die Höhe.
Mit einem angewiderten Gesichtsausdruck besah sich Menstruation das „Ding“: „Was ist das?“
Gehirntumor streckte es ihr entgegen, aber Menstruation wich zurück: „Plastikkotze. Es fiel mir heute beim Gebet auf den Kopf und ich hörte Gelächter und Geschrei.“
Menstruation nickte: „So wie alle anderen heiligen Dinge?“
„Ja, es wird dir sicher gute Dienste leisten.“, freute er sich.
Wütend stemmte Menstruation ihre Hände in die Hüfte: „Hör mal zu, alter Mann! Wir leben neben einer Müllhalde, kapiert? Eine Müllhalde! Auf eine Müllhalde werden Sachen geworfen, die man nicht mehr braucht. Klar, dass dir dauernd irgendwelche Dinge auf den Kopf fallen, wenn du nicht besser aufpasst.“
Der Älteste lächelte immer noch glücklich: „Ein Zeichen, du wirst es verstehen, wenn es soweit ist. Doch bevor du nun gehst, werden wir das große Buch der Weisheit zur Rate ziehen, auf dass es dir einen guten Ratschlag mit auf den Weg gibt.“
„Nein, bitte nicht!“, Menstruation stöhnte auf und verdrehte die Augen.
Bei dem Buch der Weisheit handelte es sich um ein ganz gewöhnliches Buch, mit Erklärungen darin!
Nach Recherchen von Menstruation stellte es sich als Lexikon heraus.
Gehirntumor war es einmal auf den Kopf gefallen, als er ein Mittagsschläfchen gehalten hatte.
Auf der ersten Seite stand mit Druckbuchstaben: Dominik Stefan Witterbücher, Klasse 12.
Und darunter: Biete behaahlten!
Das war für den Ältesten natürlich ein Zeichen! Und seitdem wurde bei allen großen Festlichkeiten daraus vorgelesen. Und wegen dieses bescheuerten Buches hieß Menstruation so, wie sie heute hieß. Sie konnte immer noch nicht glauben, dass sie so ein Pech gehabt hatte. Wieso konnte nicht…Diktator aufgeschlagen werden? Oder wenigstens Afrika?
Stattdessen hatte sie diesen überaus unhygienischen Namen erhalten!
Das Buch hatte bisher nichts als Ärger gebracht!
Und jetzt wollte er ihr auch noch was daraus vorlesen! Sie konnte nur hoffen, dass es ein kurzer Eintrag werden würde, sonst würde sie die ganze Nacht hier verbringen müssen.
Mit geschlossenen Augen schlug Gehirntumor das Buch an irgendeiner Stelle auf und tippte aufs Geratewohl auf einen Eintrag.
Klappnasen- kleine Fledermäuse mit langem Schwanz.
Scheinbar beeindruckt nickte Menstruation: „Nett,… kann ich jetzt gehen?“

Als Menstruation an dem Abend ihre Sachen zusammenpackte kam niemand ihrer Freunde, der sich von ihr verabschieden oder gar begleiten wollte. Dann wiederum, musste sich Menstruation eingestehen hatte sie auch keine Freunde, die sie besuchen konnten. Einen Moment hielt sie beim Packen inne, und starrte auf die Plastikkotze, die ihr Gehirntumor gegeben hatte.
Es war widerwärtig, und im Grunde total nutzlos, trotzdem legte Menstruation diesen Scherzartikel in den Rucksack, aus einem Grund, der ihr selber völlig unbekannt war. Dann war sie endgültig fertig.
So verlies sie mitten in der Nacht ihre Wohnung und zog los, Dieter ausfindig zu machen und hoffentlich auch zu töten.
Sie selber hatte so ihre Zweifel an dem Erfolg dieser Aktion, trotzdem ging sie weiter.
Sie betrat die Müllhalde und fragte sich, wieso sie sich einfach so opferte, für diese undankbaren Elben.
Sie überquerte die Müllhalde, betrat den angrenzenden Wald und fragte sich wieso sie nicht einfach abhaute, weg, in den Osten.
Sie trottete durch den Wald und fragte sich wieso sie plötzlich so patriotisch reagierte.
Sie stieß mit jemand zusammen und fragte sich…
Erschrocken sprang Menstruation zurück und sah vor sich einen Jungen stehen, der… spitze Ohren hatte. Er war auch ein Elb!
Und er war wohl genauso erschrocken wie sie, denn erst jetzt deutete er eine Verbeugung an: „Verzeiht meine Manieren. Ich bin Pharatorn, Sohn des Luthien, aus Lothloria. Und wer seid ihr?“
„Ich…eh“, Menstruation wurde unweigerlich rot, „ich bin…Menstruation, Tochter des…Asthmas und ich bin eh, von hinter dem…der… Müllhalde.“
Ihr Gegenüber war perplex: „….M-Menstruation…?“, fragte er nach.
Mit hochrotem Kopf nickte die Elbe: „Eh…ja, ich fürchte schon.“
Pharatorn brauchte noch einen Moment, um sich wieder zu sammeln: „Nun ja, nett. Schöner Name. Von wem habt ihr den?“
„Aus einem Lexikon“, kam es dumpf von Menstruation.
Wieder unsicher geworden nickte Pharatorn vage: „Aha, ja nun… Ehm, also ich bin von meinen Leuten losgeschickt worden, um nach letzten lebenden Elben zu suchen und sie nach Lothloria zu bringen.“
„Wirklich?“, Menstruations Miene erhellte sich sofort wieder.
Pharatorn schien erleichtert: „Ja, sagt euren Leuten Bescheid, dann können wir sofort los. Ich hatte ja so meine Zweifel, ob hier noch irgendwer sein würde.“
Daraufhin runzelte Menstruation die Stirn und griff unsicher an die Riemen ihres Rucksacks: „Ich glaube kaum, das dir jemand freiwillig folgen wird.“
„Aber, wieso?“, fragte Pharatorn verwirrt.
Menstruation dachte darüber nach. Wieso wollten die Elben nicht weg von hier? Eine Frage, die sie sich auch schon oft gestellt hatte. Sie konnte nur spekulieren: „Ich schätze, sie wollen sich einfach nicht aus ihrem Lebensraum vertreiben lassen und sind so stur, dass sie nicht erkennen, wann ein Kampf verloren ist. Im wahrsten Sinne des Wortes.“
Erwartungsvoll wurde sie aus schokoladenbraunen Augen betrachtet: „Und du?“
Die Elbe nickte unverbindlich: „Grundsätzlich ja, aber…ich bin auf einer Mission… ich muss eine Riesenspinne besiegen und…“, begann sie, bevor sie Pharatorn unterbrach: „Ganz allein?“
„Ich kenn mich am besten mit Menschen aus.“, erklärte Menstruation lahm.
Pharatorn war begeistert: „Du kennst sie? Das ist ja phantastisch.“
„Findest du?“
„Ja, natürlich. Menschen sind so interessant. Sie haben mich schon immer fasziniert, all diese Schwächen, sie sind so… menschlich, wenn du verstehst was ich meine.“, grinste Pharatorn verlegen. Skeptisch sah ihn Menstruation an. War es möglich, dass er sich tatsächlich für Menschen interessierte? Das wäre das erste Mal, dass sie einen Elben wie ihn getroffen hätte.
Spontan entschied sie sich, ihm seine Geschichte abzukaufen und erlaubte ihm, sie zu begleiten.
Sie deutete in die Richtung in die sie musste. Denn Gehirntumor hatte nur mit einer vagen Handbewegung, mit einem Radius von 180° den ganzen Wald eingeschlossen und somit die Arbeit an Menstruation gelassen sich einen Weg zu finden.

Mit Pharatorn als Gefährten und Freund, kam Menstruation überraschenderweise sehr viel schneller voran, als sie sich das gedacht hatte. Die Zeit verging wie im Flug und schon nach wenigen Tagen hatten die Beiden den Waldrand erreicht. Nun sahen sie in den späten Abendstunden dem Grenzhäuschen entgegen, das von den Elben bewohnt wurde, wie Menstruation wusste.
Ein kleines Licht aus dem Inneren des Hauses deutete diskret an, dass jemand zu Hause war. Gähnend klopfte Menstruation an die Tür und erklärte Pharatorn: „Hier leben Morgenübelkeit und Mid- Life- Crisis. Sie haben sich schon vor Jahrzehnten von uns Elben zurückgezogen.“
Pharatorn, der durch ein Fenster lugte, wollte wissen warum, woraufhin Menstruation mit den Schultern zuckte: „Keine Ahnung, aber ich hätts auch gemacht, wenn es mir erlaubt gewesen wär. Alles ist besser, als der Clan hinter der Müllhalde.“
Darauf antwortete ihr Gefährte nicht, sondern griff nach ihrem Handgelenk und zerrte sie hinter ein Gebüsch.
Keinen Augenblick zu früh, denn ein Menschmann kam aus dem Haus heraus. Und er war nicht allein, denn eine Schrottflinte lag geladen in seiner Hand.
Menstruation wich erschrocken zurück, Pharatorn griff nach seinem Bogen.
„Irgendwas muss passiert sein“, schlussfolgerte Pharatorn flüsternd, als sich der Mensch umsah. Menstruation nickte: „Ich frage mich, was mit Morgenübelkeit und Mid- Life- Crisis passiert ist.“, gab sie leise zurück.
Doch offensichtlich nicht leise genug denn der Mann denn er kam direkt auf sie zu: „Hallo? Wer ist denn da?“
Nach einer Schreckenssekunde deutete Pharatorn hektisch auf Menstruations Rucksack: „Los, gib mal her, vielleicht können wir ihn irgendwie ablenken.“
Schnell ließ sie den Rucksack von ihren Schultern gleiten und sah in dem Dämmerlicht Pharatorn zu, wie er in ihrem Rucksack herumkramte. Innerhalb weniger Sekunden zog er ein Buch heraus, ein Taschenmesser und die Plastikkotze, die Menstruation auch mitgenommen hatte.
„Was ist das?“, fragte er leise.
„Plastikkotze.“
Pharatorn hob eine Augenbraue: „Plastikkotze?“
„Unser Ältester hat ne Macke, glaubt, alles was ihm auf den Kopf fällt ist heilig und so. Deswegen heiße ich auch so bescheuert.“, plapperte Menstruation aufgeregt.
Das glaubte wohl auch Pharatorn, denn er nickte zustimmend. Dann kümmerte er sich wieder um den Menschenmann.
Mit einer schwungvollen Wurfbewegung warf er die Plastikkotze keine 50 Meter von ihrem Versteck auf den Waldboden.
Der Mann, der gerade die Hand nach dem Gebüsch ausstrecken wollte, wurde nun von dem neueren Geräusch abgelenkt. Menstruation, die die Augen angstvoll fest zugekniffen hatte, sah deshalb nicht, wie er sich wieder von ihnen entfernte, bis Pharatorn sie am Arm berührte.
Und als der Mensch mit einem schmatzenden Geräusch den Fuß wieder aus der glibberigen Masse zog, beobachtete sie nicht ohne einen Funken Neugier dessen Reaktion. Denn plötzlich schien er zu explodieren: „Tim!“, brüllte er, „Ich weiß, dass du hier draußen bist. Komm bloß nach Hause junger Mann. Dachtest wohl, du könntest dich hier besaufen, ohne dass ich es merke, wa? Das bedeutet zwei Wochen Stubenarrest, Bürschchen. Und das Bier bezahlst du auch! Haben wir uns verstanden? Und wenn du das nächste Mal heimlich trinken musst, füll dich nicht so ab, dass du am Schluss alles wieder auskotzt!“
Pharatorn und Menstruation waren währenddessen tiefer ins Unterholz gekrochen und sahen den Mann ins Haus zurücklaufen.
Der Elb stupste seine Gefährtin an und flüsterte: „Du kennst dich doch mit Menschen aus. Machen die so was öfter?“
Menstruation schüttelte den Kopf: „Der Mensch ist trotz allem sehr komplex“, flüsterte sie zurück, „man weiß nie was er als nächstes macht.“
Pharatorn nickte zögernd und nach weiteren Minuten, in denen sie gewartet hatten, schlichen sie an dem Haus vorbei, ihren Weg weiter laufend.
Aus Furcht, wieder von Menschen aufgehalten zu werden, liefen sie die ganze Nacht durch, bis zum nächsten Morgen.
Und kamen nach einem weiteren Tagesmarsch dort an, wo die riesige Spinne Dieter sein Unwesen trieb, was außer Frage stand, denn es war kaum zu übersehen.
Die Umgebung sah trostlos aus, noch trostloser als die um der Müllhalde herum. Menstruation und Pharatorn sahen sich gründlich um.
Alle Pflanzen waren platt gedrückt worden. Es stand kein einziger Baum an seinem ursprünglichen Ort, sondern lagen aufgestapelt auf einem Haufen, die Baumstümpfe Zeugen, wie es vorher ausgesehen haben mag. Kein einziges Lebewesen ließ sich zeigen. Der Ort war tot, toter als tot.
Fassungslos sah Menstruation ihren Freund an: „Das kann doch keine Spinne angestellt haben.“
Pharatorn starrte wütend auf das Schlachtfeld, auf dem die Bäume sterben mussten: „Das glaube ich auch. Lass uns weitergehen. Irgendetwas ist hier faul.“
Und er sollte Recht behalten.
Denn nicht sehr viel weiter weg, stand, hinter einem Steinhang versteckt ein riesiges Monstrum. Ein schwarzer Körper, glänzend und angsteinflößend. Ein riesiger Rüssel, mit dem man die Opfer schnell und einfach töten konnte. Erschrocken blieben die beiden stehen. Hatte er sie gesehen? Doch das Wesen bewegte sich nicht. Vorsichtig schlichen sich die beiden näher heran, doch das Wesen bewegte sich immer noch nicht.
Was für eine komische Spinne…
Doch es war keine Spinne.
Vor ihnen stand…eine Abrissbirne.
Menstruation räusperte sich, nach einem Moment der Sprachlosigkeit: „Ich schätze, das ist Dieter.“
„Das ist doch kein lebendes Wesen!“, wandte Pharatorn ein.
„Nein, das ist eine Maschine von den Menschen. Damit werden Gebäude zum Einstürzen gebracht. Ich schätze die, die sie gesehen haben, dachten es wär eine riesige Spinne.“, einen Moment lang sah sie die Maschine an, dann konnte sie sich einen letzten Kommentar nicht verkneifen: „Klassischer Denkfehler, wenn du mich fragst. Genau deswegen werden uns die Menschen irgendwann finden und unser Volk auslöschen.“
Der Elb konnte ihr nicht widersprechen: „Dann lass uns sie warnen und von hier verschwinden.“
„Das bringt nichts, sie werden uns niemals zuhören, zumindest solange nicht, bis es zu spät ist. Wir würden unsere Zeit verschwenden!“, widersprach Menstruation.
„Dann komm du mit mir!“, forderte Pharatorn.
Unsicher sah die Elbe auf den Boden.
Sie hatte sich in den letzten Tagen immer wieder gefragt, ob sie fähig war, ihr Volk im Stich zu lassen. Wäre sie eine Verräterin, wenn sie gehen würde? Andererseits hatten sie ihre Leute hierher geschickt, in der Gewissheit, dass sie wahrscheinlich sterben würde.
Menstruation fragte sich, wann der Selbstschutz aufhörte und wann der Verrat begann.
Und wann war man patriotisch und wann einfach nur bescheuert?
Was sollte sie tun?
Unentschlossen legte sie den Kopf schief: „Bist du sicher? Ich meine, ich bin nicht unbedingt das, was man sich unter einer Elbe vorstellt. Ich heiße nicht mal wie eine!“
Pharatorn grinste seine Freundin an: „Die Norm ist doch langweilig, ich kenne keine Elbe, die so intelligent und mutig ist wie du. Ich würde mit niemanden lieber nach Lothloria zurückkehren. Und wegen des Namens, den kann man auch ändern, vorausgesetzt du möchtest das.“
Menstruation grinste und nickte einmal, dann folgte sie ihrem Freund in Richtung Lothloria.

Copyright 2008- Regina B.

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4 Kommentare

Verfasst von - Juli 16, 2011 in Kurzgeschichte

 

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4 Antworten zu “(K)Eine Heldengeschichte

  1. Karsten

    Juli 16, 2011 at 8:45 pm

    oh … mein … gott. o_O

    also meine favoritensätze sind „menstruation wurde unweigerlich rot.“ und „…alles was ihm auf den Kopf fällt ist heilig und so. Deswegen heiße ich auch so bescheuert.“ … ich stell mir grad letzteres vor. how the heck can that happen??!!!!!

    generell: wenn ich mir vorstelle, was man in bezug zu den namen der protagonisten alles für charaktereigenschaften erschaffen könnte, hat die geschichte potenzial.

    ansonsten tipp: charaktere und orte klarer vorstellen. und für mich muss klar sein, warum du bestimmte figuren einführst. kann insgesamt sortierter werden, trotz verrückter charaktere.

    ansonsten schöne mischung aus den fraggles, dem herr der ringe und einem medizinischen fremdwörterbuch.

    🙂 … schreib mal weiter!

     
  2. Muriel

    Januar 15, 2012 at 1:16 pm

    Ich muss noch entscheiden, ob ich das gut oder schlecht clever finde.
    Kann eine Weile dauern.

     
    • semiramis

      Januar 18, 2012 at 4:19 pm

      Wenn du es herausgefunden hast, schreib mir doch, wie du dich entschieden hast und welche Stellen dich zu dem Entschluss gebracht haben. Fänd ich sehr interessant. 🙂

       
      • Muriel

        Januar 18, 2012 at 4:30 pm

        Ich bin jetzt ein bisschen weiter. Im Großen und Ganzen gefällt mir die Geschichte, glaube ich. Die Idee, die Protagonisten Menstruation zu nennen, sehe ich immer noch ambivalent. Einerseits scheint mir die Provokation ein bisschen zu gewollt, andererseits will ich damit vielleicht nur meine uneingestandene Verklemmtheit rationalisieren. Das werde ich so bald auch nicht entscheiden können.
        Den Rest finde ich erfrischend originell, auch wenn ich an manchen Stellen das Ganze etwas zu ungeschliffen fand, wie hier zum Beispiel:

        Menstruation fragte sich, wann der Selbstschutz aufhörte und wann der Verrat begann.

        Das ist noch ein guter Satz, den mag ich, aber

        Und wann war man patriotisch und wann einfach nur bescheuert?

        klingt für mich so umgangssprachlich und unliterarisch, dass es mich ein bisschen aus dem Lesefluss reißt.
        Und „toter als tot“ ist auch so ein Ding. Ein Klischee, und irgendwie dann ja auch sinnlos, obwohl ich hier nicht den Sick machen will und mich drüber aufregen, dass man das nicht steigern kann. Sick hat keine Ahnung.
        Toll fand ich zum Beispiel dafür das hier:

        Skeptisch sah ihn die Elbe an: „Erstens ist das kein Berg sondern eine Müllhalde, zweitens wer sagt uns, dass das keine große Falle ist? Oh, und drittens…wieso erzählst du das gerade mir?“

        Das meinte ich mit erfrischend.
        Am Ende ist das natürlich alles Geschmackssache.

         

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