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Höllenfrost- Wenn ein Leben nicht reicht

20 Jul

Wie sieht eigentlich so eine Pen-&-Paper-Rollenspielrunde (Pen-&-Paper-Rollenspiel: ein Spiel, bei dem die Mitwirkenden in fiktive Rollen schlüpfen und gemeinsam durch Erzählen ein Abenteuer erleben… thank you, Wikipedia.) aus? Habt ihr euch schon immer gefragt? Hier kommt die Antwort.

Die fast fertigen Brownies verströmen ein unglaublich schokoladiges Aroma in der Wohnung. Ich sitze vor dem Backofen, schaue auf die Uhr und feuere die Brownies an. Ich bin der Überzeugung, dass sie dann schneller fertig werden und besser schmecken.
Gleichzeitig versuche ich mir die Haare zu kämmen, mein Hemd zuzuknoten und mir die Socken anzuziehen. Schwierig, aber ich bin eine erprobte Multitaskerin.
Mein Handy klingelt mich aus meinem Zimmer an, ich springe auf, knalle auf dem Weg der Länge nach hin, bevor ich hektisch in meiner Tasche nach dem klingelnden Gegenstand wühle. Als ich es endlich in der Hand halte, und den Anruf entgegennehme, werde ich ohne Begrüßung angegrunzt: „Wir sind schon am Aufbauen, wo bleibst du?!“
„Auf dem Weg, schon in der Straßenbahn, bin in 10 Minuten da“, trällere ich. Eine Lüge, was wir beide wissen.
Mein Gegenüber legt wortlos auf, ich bleibe eine Sekunde wie angewurzelt stehen, dann laufe ich zurück in die Küche, knalle mit dem Knie an mein Bett, falle noch mal hin, verbrenne mir die Finger am heißen Backgitter und schneide mich beim Versuch die Brownies fachgerecht zuzuschneiden.
Ich schmeiße alles in meine Tasche, schnappe mir meine Würfel vom Nachttisch und laufe zur Straßenbahn. 20 Minuten später stehe ich schwer atmend im 4. Stock eines Mehrfamilienhauses. Die Tür wird mir geöffnet und ich sehe mich einem Haufen Männer gegenüber, die sich lautstark darüber unterhalten, ob ein Breitschwert lohnend wäre oder ob der Preis überteuert sei.
Es ist Freitag. Es ist Hellfrost-Tag. Und jetzt geht es los.
Von jetzt an bin ich Perwinkle, ein Halbling, der auszog eine linguistische Landkarte vom Hellfrost zu erstellen.
Periwinkle ist wie eine zehnmal coolere Regina. Sie kann 7 Sprachen, ist furchtbar neugierig, akrobatisch, vorlaut und kann mit einem Schwert kämpfen.
Neben mir meine Kumpanen. Dorn Bärenspalter, ein Zwerg, der bei einem Zweikampf mit einem Bären ein Auge verloren hat. Ein Grummler, aber tief innendrin ist er eine treue Seele. Man sieht es nur sehr selten….
Harrit, unser gesuchter Verbrecher, der schnell mal aus der Haut fährt und Leute umbringt. Er ist ein Frostborn, ein unsterbliches Wesen aus dem Hellfrost und genau so kalt wie der Hellfrost selber.
Prinz Valos, ein verwöhntes Bürschchen, mit einem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen und absolut loyal unserer Gruppe gegenüber. Wie weit er mit dieser Einstellung bisher gekommen ist, sieht man überaus deutlich an seiner Ausrüstung. Bis auf einem Schwert und Schild, schützt ihn nur sein Lederwams.
Und Seppel, unser Spielleiter, die Stimme aus dem Off, gottgleich lenkt er unsere Schritte. Sein Lieblingswort ist „tatsächlich“ und tatsächlich fangen wir jetzt an.

Harrit hat nur wenige Stunden zuvor Becker getötet, weil der uns bei unserer letzten Quest verraten hat. Valos nimmt ihm das immer noch übel, er war strikt gegen eine Hinrichtung. Mir ist das reichlich egal, zusammen mit Dorn fleddern wir die Leiche. Ich finde Goldmünzen, die ich mit reinem Gewissen an mich nehme, bevor ich mich für die Überfahrt nach Iceport unter Deck zurückziehe und mich in warme Decken hülle.
Iceport selber ist ein recht übersichtlicher Ort, der sich hauptsächlich mit dem Verkauf von Eisholz finanziert. Glücklicherweise finden sich auch einige gute Schmiede, die Waffen herstellen. Dorn und ich besehen uns gerade Schilde, als sich die Luft vernebelt. Es wird bitterkalt, als Dorn auf die sich zu lebendigen Wesen formenden Nebelschwaden deutet. Verschwommen erkennbar sind Schlachtszenen aus einem längst vergessenen Kampf. Dorn fängt an zu erzählen, während ich einem Schwert ausweiche, dass über meinen Kopf hinwegsaust.
Es handelte sich um die letzte Schlacht von Thorgrimm, einem weit entfernten Zwergencousin von Dorn. Thorgrimm kämpfte damals gegen Eisdämonen und starb dabei.
Alles sehr interessant, aber plötzlich kommt mir eine Idee. Ich sehe mich schnell um, aber alle schauen gebannt auf die Nebelschwaden. Diese Situation kann ich nicht ungenutzt lassen und schnappe mir den erstbesten Schild, den ich zu greifen bekomme. Raub erfolgreich abgeschlossen. Geld gespart und scheinbar eröffnet sich hier unsere nächste Quest, da kaum dass sich die Nebel verzogen haben Soldaten auf uns zukommen und Dorn bitten, ihnen zu folgen. Ich bin überaus und höchst zufrieden mit der Entwicklung der Dinge und folge meinem Kameraden in den Wachturm der Stadt wo wir auf einen anderen Zwerg treffen, Orgrimm.
Dorn und Orgrimm kennen sich und es gibt ein großes Hallo. Der Kommandant, erzählt uns, dass der Bär, Dorns Onkel seit 10 Tagen unter der Erde verschwunden ist.
„Dorn, dein Onkel könnte noch am Leben sein, er war der Meinung, dass sich unter Tage eines eurer Familienrelikte befinden könnte.“
Er redet nicht weiter, ich kann ihn nicht sehen und schnappe mir eine herumliegende Kiste, auf die ich klettere, um über den Tischrand sehen zu können.
„Jaja, schon klar. Wir gehen ihn suchen. Was springt dabei für uns raus?“, es ist immer wichtig, solche Dinge vorher zu klären.
Orgrimm deutet mit einer Kopfbewegung auf einige Soldaten die in der Gegend verteilt sind: „Ich werde dir einige Soldaten zur Seite stellen. Wir sind euch für eure Hilfe unendlich dankbar.“
Ich runzele die Stirn, die Rede gefällt mir eher weniger.
„Ja… aber… was ist mit Geld? Wir leben auch nicht nur von Luft und Liebe allein. Um genau zu sein gar nicht. Was springt dabei für mich raus?“
Der Zwerg scheint meine Frage absichtlich falsch zu verstehen: „Ich versichere Euch, Ruhm und Ehre wird euch bei Erfolg zuteil sein.“
Wenn wir überleben, denke ich missgelaunt und stecke mir in einem unbeobachteten Augenblick die Goldbecher in die Tasche, bevor wir uns auf die Suche nach den anderen machen und den Trip beginnen können.
Die gute Nachricht zuerst. Unter der Erde wird es wesentlich wärmer. Für Valos und mich, die wir aus gemäßigten Klimazonen des Hellfrosts kommen, ist das kein Problem. Für Dorn und Harrit, absolute Kälte gewöhnt dafür umso mehr, die ordentlich ins Schwitzen kommen.
Zusammen mit unseren Begleitern, den Soldaten steigen wir hinab in die Tiefen bis wir in eine Grotte kommen und mir etwas ins Auge springt, das glitzert. Ich bin nicht unvorsichtig, aber mein einziger Gedanke in dem Moment war: ich muss es haben! Und so renne ich automatisch los.
„Peri!“, höre ich nur die etwas schnöde und pikierte Stimme von Valos, der mir loyal wie er ist hinterherläuft. „Das ist gefährlich, bleib bei der Gruppe!“, ruft er mir hinterher, als ob ich nicht selber auf mich aufpassen könnte. Und genau in dem Moment wird er von etwas schwerem umgeworfen. Zu seiner Verteidigung muss ich gestehen, dass das Wesen mich umgehauen hätte, wenn ich nur einen Kopf größer gewesen wäre… meh. Aber er hätte mir halt nicht folgen sollen. Ich laufe weiter, während Valos von der tentakelartigen Kreatur umschlungen wird.
Versteht meine Entscheidung nicht falsch, mir war klar das Valos klarkommen würde. Er hätte auch gewollt, dass ich nachsehe, was dieses glitzernde Ding ist. Und während die anderen sich in das Kampfgetümmel stürzen, finde ich… bloß einen Zwergenhelm.
Dorn widerum wird in dem Moment von einem Tentakel geschnappt und gewürgt und um Euch zu beweisen, dass ich durchaus auch selbstlos sein kann, klemme ich mir den Helm unter den Arm und springe heroisch an seine Seite. Todesmutig und akrobatisch und furchtbar elegant, schneide ich den Tentakel ab und rettete Dorn das Leben. Und diese Aktion ist meiner Meinung heroisch genug, um meinem Kurzschwert einen Namen zu verleihen. Von nun an trage ich „Libelle“ an meinem Gürtel, ein Schwert, elegant, wendig und tödlich.
Von da an, durch den Namen zusätzlich unterstützt strecke ich Dinosaurier mit einem Schlag nieder, und mache dabei eine gute Figur. Meine männlichen Kollegen hauen nur auf die Gegner ein. Anfänger.
Während wir weiter die Höhle erkunden, werden wir plötzlich auf einen Turm aufmerksam, der sich doch tatsächlich als Drachenhort herausstellt. Bevor wir uns verstecken können, entdeckt uns der Drache. Valos will mit dem Drachen verhandeln, das hat er mal in einem Bilderbuch gelesen…
Bevor wir ihn daran hindern können, fängt er bereits an: „Oh, verehrter Lord Drache. Erlaubt uns, vor euch in tiefer Demut gegenüber eurem Ruhm, dass wir uns vorstellen.“
So lächerlich wie sich Valos benimmt, amüsiert er den Drachen so dermaßen, dass der einen Schluckauf bekommt und uns mitteilt, dass er uns nicht sofort tötet, sondern uns auf die Probe stellet.
„Bringt Platin mir, aber betreten nur einer darf den Raum.“, dann öffnete er seine Schatzkammer und- ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich mich vielleicht hätte etwas zurückhalten hätte sollen und nicht mit lautem Hurra in das Gold stürzen sollen.
„Nein, Peri! Wir müssen ihr doch irgendwie helfen!“, ruft Valos bestürzt, und bleibt am Tor stehen.
Grinsend winke ich ab: „Reg dich ab, Prinzchen. Was soll schon passieren?“, ich lasse Münzen durch meine Hände und dann in meine Taschen gleiten. Diese Aufgabe wird so einfach sein, denke ich und sehe mich nebenbei nach dem kostenbaren Metall um.
Ich setze mir gerade eine Krone auf, als der Boden unter mir vibriert. Ich sehe gerade noch überrascht hinunter, als es mich schon nach hinten wirft. Verwirrt schüttele ich mir Münzen aus dem Haar, als ich einem riesigen Wesen, bestehend aus Münzen gegenüberstehe.
Die Jungs brüllen mir irgendwas unverständliches zu… entschlossen packe ich Libelle fester an und mach mich kampfbereit. Währenddessen bleiben die Jungs natürlich nicht untätig, einen Kampf wollen sie sich schließlich nicht entgehen lassen. In einer absolut verrückten Aktion versuchen sie sich an an der Decke hängenden Rohren in die Schatzkammer zu schwingen, ohne den Raum wirklich zu betreten, was mächtig schief geht. Denn die Rohre halten deren Gewicht nicht mal eine Minute lang. Mit einem lauten Krachen knallen meine Freunde auf einen Goldhaufen.
Der Drache hat an dem Geschehen sichtlich Gefallen und beobachtet uns interessiert, als auch die anderen von immer größer werdenden Geldgolems angegriffen werden.
Ab da sind wir alle mit unseren eigenen Kämpfen beschäftigt, ich sehe dabei natürlich fabelhaft aus und weiche den Attacken elegant aus. Dabei stecke ich mir noch mehr Münzen in die Taschen und schaffe es so, den Geldgolem zu vernichten. Den Trick begreifen dann auch irgendwann meine Freunde und nach kurzer Zeit sind die Wesen besiegt. Wir sehen uns zufrieden an, als Harrit etwas bemerkt: „Der Drache sieht nicht happy aus.“
In der Tat sieht der Drache überhaupt nicht happy und der Rauch, der aus seinen Nüstern kommt ist ein recht gutes Indiz dafür.
„Leute…“, beginne ich zaghaft.
Harrit hat die passende Idee: „Lauft!“
Gleichzeitig rennen wir los, raus aus der Schatzkammer und weichen den Feuerbällen aus, die der Drache wütend in unsere Richtung schleudert.
Fragt mich nicht wie, aber wir schaffen es irgendwie aus der Höhle mit einigen Brandwunden, aber am Leben. Wir schälen uns aus dem warmen Untergrund heraus und müssen feststellen, dass wir ganz wo anders rausgekommen sind.
„Super und wie kommen wir bitte wieder zurück in die Stadt? Ich hab meinen Wintermantel im Gasthaus gelassen. Der wird mir doch bestimmt geklaut“, beklage ich mich.
Valos runzelt die Stirn: „Soweit ich mich erinnern kann, hast du den auch jemanden entwendet. Dein-“, weiter kommt er nicht, denn seine Stimme wird von einem lauten Rauschen verschluckt.
Was zum, kann ich noch denken, bevor wir alle von einer riesigen Schneelawine begraben werden….

Es ist 4 Uhr morgens, als wir unsere Session beenden. Mittlerweile sind wir alle so müde, dass wir uns nur noch angrunzen und versuchen, so wenig wie möglich zu reden. Ich falle fast die Treppe runter und taumle wie ein Zombie von einer Seite zur anderen Seite.
Langsam gehen wir die Straße hinunter, eine Gruppe finster dreinschauender Studenten. Als wir uns an einer Kreuzung voneinander verabschieden, ist es einen Moment still. Wir sehen uns an, Hände in den Taschen.
„War cool.“
Zustimmendes Gegrummel.
„Nächste Woche wieder?“

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