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Man darf Kinder nicht schlagen…

02 Apr

…weil sie sonst anfangen loszuschreien.

Ich werde alt. Ich meine logisch, jünger werden wir schließlich nicht. Aber seit kurzem merke ich immer mehr, wie sich das Erwachsenenleben an mich ranschleicht, gehässig an meiner Schulter hängt und Sätze ablässt, wie: “24?! Wann willst du anfangen Geld zu verdienen?” oder “Tick-tack, du willst doch nicht noch mehr Eier verschwenden. Jetzt ist die beste Zeit! Mach kleine Babies…”

Und selbst in meinem Dinner Club (eine friedliche Co-Existenz von sieben Studenten, in der gekocht und diskutiert wird) haben wir letztens über Kinder geredet. Um Megan zu zitieren, meine wunderbar schottische, quirlige und toughe Mitbewohnerin: “Um Eltern zu sein muss man großzügig und selbstlos sein. Man muss vergeben können und diplomatisch vorgehen. Und Verantwortung übernehmen.”
Kurz darauf nimmt sich Will, unser englischer Barmann die letzte Portion Curry und die nächsten Minuten sind erfüllt von Flüchen, Vorwürfen und Geschrei. Ja… ich glaube, an den Charakterzügen müssen wir noch arbeiten.
Und überhaupt, Kinder?! Diese kleinen, haarigen Biester? Mit denen man nicht gescheit reden kann? Die tun was sie wollen?
Man merke, ich bin etwas voreingenommen. Und das kam so…

Ich gebe seit einigen Wochen Deutschunterricht für zwei kleine Jungen: Matias (4) und Teo (7). 4 und 7? dachte ich damals, ha, easy, das krieg ich hin. Kinderspiel. Ich meine, ich hab schon seit Jahren Nachhilfe für ältere Kinder gegeben. Ich hab also meinen Unterricht vorbereitet, bin dahin gefahren und dachte ich mach jetzt meinen Unterricht. Denkste. Ich dachte, als große Erwachsene bekomme ich Respekt gezollt. Denkste. Ich dachte, man hört mir zu. Denkste. Aufmerksamkeitsspanne? Die eines Goldfisches. Vier Sekunden. Ich bin schon froh, wenn ich einen Satz rausbekomme.
Meine letzte Stunde verlief etwa so: „Okay, Kinder, wir spielen jetzt ein Spiel-„, da hat Matias bereits ein Bilderbuch genommen und hat sich unter den Tisch verkrochen. Er schaut sich jetzt Tiere an. Also kein Spiel. Ich bin bereits leicht entnervt und wenn das passiert, schaltet mein Hirn nicht richtig. Meist vertausche ich dann die Namen: „Matias, wir-„
„Ich bin Teo.“, sagt Teo.
„Eh ja, Vladimir. Teo! Kannst Du mir die Länder auf der Karte zeigen?“
Kann er. 5 Minuten lang lasse ich ihn Kasachstan in Südamerika suchen und freue mich tierisch, dass ich einen 7-jährigen verarsche. Die kleinen Freuden im Leben…
Plötzlich will Matias seinem großen Bruder was zeigen, den das gar nicht interessiert. Er ignoriert ihn. Matias piekt ihn ins Gesicht und trifft sein Auge. Teo fängt an zu weinen. Ich werde panisch. Ich bete darum, dass ihre Mutter nicht reinkommt und springe gedanklich im Dreieck…. Argh! Was mache ich bloß???
Ich sage Matias, dass er sich entschuldigen soll. Das macht er. Aber Teo hört nicht auf zu weinen. Warum hört der nicht auf zu weinen??? Matias verzieht sich wieder unter den Tisch und nach gutem Zureden, hört auch Teo auf zu heulen. Ich atme auf. Wir spielen „Such-das-Land“ noch für ein paar Minuten weiter, da kommt Matias wieder und will seinen großen Bruder umarmen. Awwww, süß, nur will das der Große nicht. Er versucht den Kleinen abzuschütteln und schubst ihn gegen die Wand. Meine Superkräfte spüren die anschwellende Gefahr und ich versuche alles, um mögliches Geschrei zu verhindern: „Schach, wollt ihr Schach spielen?!“ Nachdem ich die Beiden dazu bringen kann, Schach zu spielen und wir weitere fünf Minuten friedvolle Fast-stille haben verliert Matias. Er wirft alle Steine um sich. Ich bin am Ende. Die Stunde auch.

Ich bin nicht stolz drauf und meine Mutter würde lachen, wenn sie das wüsste, aber ich halte nach jeder Stunde mit den „Kleinen“ mindestens zwei Stunden Mittagsschlaf, manchmal mehr.
Keine Ahnung, wie Menschen sich Kinder zulegen können, wenn es noch so viel mehr zu leben gibt.
Warum Geld für Kinderkleidung ausgeben, wenn man sich auch eine Flasche guten Whiskys zulegen könnte?
Warum bis spät in die Nacht am Bett Wache stehen, wenn man auch nachts von betrunkenen Männern aufgeweckt werden kann, die plötzlich in meinem Zimmer stehen?
Warum Atemnot von einer vollen Windel bekommen, wenn man das auch von einer dicken Zigarre bekommen kann?
Es gibt so viel mehr, wofür es sich zu leben lohnt.
Carpe your life und leave the children making für später!

So viel erst mal von mir.

Alles Liebe,
Eure Regina

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Verfasst von - April 2, 2015 in Geblubber

 

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