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Ich wär’ dann jetzt mal selbstständig

04 Feb

Mein nicht ganz so epischer Start in die Selbstständigkeit

Lang, lang ist’s her. Es hat sich einiges getan. Meine Heldenreise hat mich wieder nach Hause geführt mit einem Abschluss (natürlich, hehe, selbstredend! Ich bin ja schließlich kluk!). Jetzt geht es los, ich meine weiter, ich meine: Hallo Welt, hier bin ich! Jetset-Leben, Partys, Angela Merkel ruft bestimmt direkt hier an…

Der Anruf kam aber nicht, noch nicht, nie, nicht. Nachdem ich also wochenlang in meinem Schlafanzug vor mich hinvegetierte, Schokolade in mich hineinfraß und mich selbst bemitleidete (Ja, ich bin ein Leider, das ist nun mal so. Ich leide viel und gerne, am meisten an mir selber…. Aber das ist eine andere Geschichte), beschloss ich mein Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Man könnte auch sagen, dass ich endlich meinen Kulturschock überwunden hatte, denn plötzlich waren die Deutschen gar nicht mehr so deutsch (was gelogen wäre, niemand ist so deutsch wie die Deutschen) und die Sonne kam wieder raus: Im wahrsten Sinne des Wortes… im Januar. Jedenfalls war damit meine Winterstarre (Eichhörnchen halten nämlich kein Winterschlaf, sondern eine Winterstarre, weißte Bescheid!) beendet und ich streckte zaghaft die Nase aus meinem Kobel (weil Eichhörnchen in Kobe-…) um dann frischen Mutes ins neue Jahr zu starten. In Wirklichkeit wurde ich von einem Haufen Rechnungen begraben, die alle bezahlt werden wollten, wenn man es genau nimmt, aber das sind bloß Details.
Ein Job musste her, sollte her, sollte musste her und ich wollte das tun, wofür ich ausgebildet war, eine Dolmetscherin und Übersetzerin (jaja, ich weiß, einige denken vielleicht Clown, aber nein, ich hab tatsächliche eine akademische Ausbildung gemacht, so mit Uni und so.) sein.
Und so zog ich los, um mich beim Finanzamt zu melden.
Wenn ich diesen Satz lese, glaube ich selber nicht so ganz dran. Ich zum Finanzamt. Steuererklärung und Papierkram und Anträge ausfüllen. Das ist wie…. Saure Gurken und Schokolade, eins für sich allein ganz geil, aber zusammen einfach nur eine eklige Angelegenheit.
Aber gut, ich hatte mich vorbereitet, ich machte mich zu Fuß auf dem Weg und schritt hocherhobenen Hauptes die lange Straße zum Finanzamt entlang, natürlich mit einem epischen Soundtrack (also richtig heroisch, holde Maiden befreiend, Drachen töten und so) im Ohr.
Und so betrat ich dann das Finanzamt und das Büro für die Selbstständigen, wo mich eine übergewichtige und irre nette Dame in Empfang nahm. Im Ernst, die war sooooo nett, die hat mir sogar noch beim Ausfüllen geholfen! Ich war komplett perplex. Ich dachte immer, bei den Ämtern kommen nur die abgrundtief bösesten Menschen hin (Ich meine, jetzt mal ehrlich, das ist doch wie bei der Bahn zu arbeiten…).
Nach 5 Minuten war auch schon alles fertig, ich war absolut baff (Dauert so was nicht ewig? Ich hab mal von Menschen gehört, die einmal ins Finanzamt rein sind und nie wieder raus gekommen sind…).
Ich raschelte etwas verwirrt mit meinen Zetteln herum und die nette Dame lächelte mich an: „Die Steuernummer kommt dann in den nächsten Wochen per Post zu Ihnen.“
Ich nicke erst mal. Heißt das, ich wär‘ dann jetzt selbstständig? Ja, das heißt es wohl. Dann ist jetzt wohl Zeit für den Champagner.
Ich fange an zu strahlen, die nette Dame strahlt zurück. Ich warte, sie wartet. Ich nicke ihr zu, sie nickt mir zu. Ja, worauf wartet die denn? Sekt, Champus, irgendwas? Ich hab mich grad selbstständig gemacht, wo sind die Partyhüte? Es gab natürlich keinen Sekt oder Champagner oder Wein und ich machte mich äußert verwirrt nach Hause.
Dass ich so einfach und unspektakulär in die Selbstständigkeit entlassen wurde, war überaus unbefriedigend, aber gut.
Nun bin ich also freiberuflich unterwegs und ein neues Kapitel wird geschrieben. Ich bin schon mächtig aufgeregt, wie es weitergeht. Ihr auch?
Ihr habt auf jeden Fall nicht zum letzten Mal von mir gehört.

Und damit sage ich bis zum nächsten Mal, until next time, hasta luego, na razie,
von Eurer Regina!

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6 Kommentare

Verfasst von - Februar 4, 2016 in Geblubber

 

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6 Antworten zu “Ich wär’ dann jetzt mal selbstständig

  1. Muriel

    Februar 5, 2016 at 1:06 pm

    Ich nehme an, die Mitarbeiterinnen des Finanzamts hören auch nicht oft, dass sie geil wären wie Schokolade, Vielleicht hat sie das besonders gewogen gemacht.

     
    • semiramis

      Februar 5, 2016 at 4:53 pm

      Haha, ja vielleicht. 😀
      Es überrascht mich aber auch immer wieder, wenn ich auf freundliche Beamte treffe… ich bin da glaube ich zu voreingenommen. 🙂

       
  2. Muriel

    Februar 5, 2016 at 4:58 pm

    Nach meiner Erfahrung gibt es eigentlich gar nicht so viele Menschen, ob Beamte oder nicht, die von der Grundeinstellung her unfreundlich sind. Das hängt eher davon ab, wie man auf sie zugeht, und so.

     
    • semiramis

      Februar 6, 2016 at 9:40 am

      Naja, oder wer vor einem dran war. Die meisten Post- und Bahnbeamten schnauzen einen schon vor dem ersten Wort an, und das liegt nicht an meiner ungehobelten Art. 😉

       
      • Muriel

        Februar 6, 2016 at 9:48 am

        Deckt sich eigentlich nicht mit meiner Erfahrung, aber vielleicht bekomme ich auch immer nur die Angestellten ab.

         
      • semiramis

        Februar 7, 2016 at 3:16 pm

        Du Glückliche. 😉

         

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